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Der Stukkateur – Eine aussterbende Handwerkskunst? [Teil 3]

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zum 2. Teil

Traurigerweise fehlt dieser alten und schönen Zunft der Stukkateure in der heutigen modernen Zeit das Geld, vielleicht aber auch die Lust, sich noch mit den alten Techniken wie Stuck aus Pappmaché (z.B. Schloss Ludwigslust) oder Stuckmarmor (z.B. Louisen-Mausoleum in Ludwigslust) zu beschäftigen. Ich durfte mich glücklich schätzen diese und andere alte Techniken wie Sgraffito (Putzkratztechnik; aus dem ital. Das Gekratzte) und Stucco lustro (eine besondere Art des Glanzputzes) in meiner Lehrzeit und Gesellenzeit widmen zu dürfen. Auch habe ich noch Stukkateur-Fächer wie Stilkunde, Fachzeichnen, Restaurierung, Form- und Zugarbeiten dürfen lernen. Ein großer Teil heutiger Stuckateure (Schreibweise!) machen lieber in Trockenbau und Wärmedämmung. Ist schnell und bringt Geld in kurzer Zeit.

Den vermeintlichen „Stolz“ der heutigen Stuckateure (Schreibweise!) auf ihre alte Zunft, zeigt sich deutlich in der Namensänderung ihres Verbandes. Was ehemals noch Deutscher Stuckgewerbebund hieß, heißt heute Bundesverband Ausbau und Fassade. Na, wenn das nicht alles sagt.

Ich hoffe zutiefst, dass es da draußen wirklich noch den einen oder anderen Künstler Stukkateur gibt und der nachfolgenden Generation die alten Techniken beibringt. Dabei sei gesagt, alle angehenden Stuckateure welche sich für den künstlerischen Aspekt ihrer Zunft beschäftigen wollen sei das Buch „Putz/Stuck/Rabitz“ vom Stukkateurmeister Adolf Winkler und dem Architekten Karl Lade von 1936 (ich selber habe ein limitierten Nachdruck von 1993) ans Herz gelegt. Aber auch das Buch „Der Stukkateur“ der Stukkateurmeister Adolf Raddatz und Siegfried Leixner ist sehr informativ und empfehlenswert.

Ansonsten wird sich der Beruf des Stukkateurs, wie ich ihn kenne und gelernt habe, wirklich in die lange Liste der aussterbenden Handwerksberufe einreihen dürfen. Hier seinen genannt Blaupließter, Brokatweber, Erzgießer, Fidelbauer, Glasmacher, Glockengießer, Holzrücker, Kupferschmied, Marionettenmacher, Messerschmiede, Notenstecher, Sattler, Schlittenbauer, Schmied, Schriftsetzer, Turmuhrbauer und Weber.

Aber worüber will ich mich beklagen. Nachdem auch auf mich die moderne Zeit des neuen „Stukkateurs“ Mitte/Ende der 90´er gekommen war, habe ich die Flucht nach vorne ergriffen und nebenbei ein Studium begonnen und bis heute nicht bereut, denn der neue moderne Stukkateur, nennen wir ihn lieber Stuckateur, wollte ich NICHT sein.

Anmerkung. Es macht Hoffnung, wenn man beim Internetauftritt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie folgendes lesen darf: „…Stukkateure (Das BMWi schreibt es in der alten Form!) betreiben ein vielseitiges traditionelles Handwerk, das wieder voll im Kommen ist…“. Das wäre diesem Handwerk sehr zu wünschen.

UND wie schon in Teil 2 sei gesagt das das vorgenannte nur meine bescheidene Meinung ist und ich nicht den Status erhebe Recht zu haben, denn dafür bin ich schon zu lange aus dem Handwerk raus.

 [Das alte Zunftzeichen]

 [Das neue Innungszeichen]

Weiterführende Informationen

  • In Wort und Schrift (Beispiele):

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3 Kommentare

  1. Ich bin sehr froh gewesen diesen Beitrag gelesen zu haben da er mir aus tiefstem Herzen
    zugesprochen hat. T.H.

  2. Hallo Ihr da Draußen, Wie war , Wie war……..
    Was Ihr schreibt spüre ich gerade gewaltig. Seit nunmehr 1994 arbeite ich selbstständig in diesem Gebiet. Es ist ein Traumjob. Aber immer weniger Menschen können sich dafür begeistern. den Grund dafür sehe ich aber in dem schlechten Erhaltungszustand vieler Fassaden und Stuckdecken, welche als Anschauungsmaterial nicht gerade werbeträchtig ist. Eintönige Anstriche , billig und ohne Liebe, Stuckdecken wunderschön komplettweis, meist noch unter vielen Farbschichten versteckt. Tja und das Malerhandwerk ergänzt die Vorbildreihe mit Plastikimitationen, krumm und rundgelutscht.
    Woher soll das Interesse der heutigen Generation kommen ? Wer weis denn heute noch welche, jede hergestellte Stuckdecke, früher für eine Ausstrahlung hatte, Farbfassungen sind zu 95 % verloren. Tja, so denke auch ich langsam über einen Ausstieg nach. Flucht nach vorne wäre eine Möglichkeit. Doch wohin. Oder eben als Lehrmeister an einer Berufsschule, um genau dieses Wissen weiter zu geben. Nur wo ist eine Stelle zu vergeben ? Wie wäre Euer Rat
    Gruss Steffen

  3. Hallo Steffen,
    vielen Dank für dein Kommentar.
    Leider weiß ich auch nicht, welche Möglichkeiten es gibt. Als selbständiger Stukkateur kannst du ja auch nicht einfach aufhören. Einer muss ja die Stange halten 😉
    Da alles irgendwann wieder kommt, bin ich davon überzeugt, dass das Stukkateurhandwerk wieder zu den alten Werten zurückkommen wird.
    Gruß Reyk

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