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Ab 2015 keine Ölheizungen in Neubauten mehr?

Im Wahlprogramm der Grünen steht auf Seite 37 nur ein kurzer Satz, der für Aufsehen in der Bau- und Heizungsbranche sorgt: „Wir wollen, dass ab 2015 keine neuen Ölheizungen mehr installiert werden.“ Wie Oliver Krischer, Grünen-Sprecher für Energiewirtschaft, erklärt, haben sich die Grünen an unserem nördlichsten Nachbarland Dänemark orientiert, das bereits Anfang diesen Jahres den Einbau von Ölheizungen in Neubauten verboten hat. Neben der verständlicherweise kritischen Reaktion des Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik e.V. (BDH) sorgt aber auch ein erst kürzlich zu dieser Thematik abgegebenes Statement von Claudia Roth selbst für Zweifel, ob sich Bauherren im Falle des Wahlsieges einer Rot-Grünen-Koalition tatsächlich einen Öltank ersparen können. Dabei ist alle Aufregung eigentlich fehl am Platze, denn in Neubauten werden schon lange fast keine Ölheizungen mehr eingebaut.

Beispiel Dänemark: Solarthermie statt Öl

Dass die Grünen in Ihrem Wahlprogramm ein Verbot von Ölheizungen in Neubauten ankündigen, geht zurück auf ein dänisches Gesetz, das ab 2013 die Installation von Ölheizungen und Erdgas-Kesseln in Neubauten verbietet. Weitergehend sieht das dänische Verbot vor, dass ab 2016 auch die Installation von neuen Öl-Heizkesseln in bestehenden Gebäuden wo Fernwärme oder Erdgas zur Verfügung stehen nicht mehr zulässig ist. Was für Laien als ein gewagter Schritt gelten könnte, ist für Energieexperten lediglich die konsequente Fortführung der dänischen Energiepolitik. Denn Dänemark forciert seit Jahren unter anderem die großtechnische Nutzung von Solarthermie zur Speisung von lokalen Nahwärmenetzen, die zur Spitzenlastabdeckung im Winter mit Biomassekesseln kombiniert werden. Die Dänen dürften also wegen des Verbots von Ölheizungen nicht in ihren neuen Häusern erfrieren.

Claudia Roth ist gegen Ölheizungsverbot

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Und so etwas planen jetzt auch die Grünen? Nicht zweifelsfrei, denn genau zu dieser Frage auf abgeordnetenwatch.de, ob es nicht auch in Deutschland eine Überlegung Wert sein könnte, ein solches Gesetz auch in Deutschland einzuführen, äußerte sich Claudia Roth, immerhin Bundesvorsitzende der Grünen, ablehnend: „Angesichts der nicht vergleichbaren Dimensionen der Herausforderungen in Deutschland und Dänemark wäre es nicht zielführend, zu versuchen, jedes Detail zu kopieren. Sicherlich ist es sinnvoll, aus den Erfahrungen in anderen Ländern zu lernen, aber die Lösung der Probleme in Deutschland wird aufgrund der unterschiedlichen Strukturen und der unterschiedlichen Gesetzgebung anders sein.“

Nur 2% der Neubauten nutzen noch Ölheizungen

Und auch der BDH kritisiert natürlich ein solches Verbot: „Das Verbot von moderner Öl-Heiztechnik durch Bündnis 90/Die Grünen konterkariert deren eigenes Ziel, den Klimaschutz und die Energiewende zum Erfolg zu führen“, so Andreas Lücke, Hauptgeschäftsführer des BDH. Dabei stellte die aktuelle Shell BDH Hauswärme-Studie 2013 fest, dass Öl als Energieträger in Neubauten eine immer geringere Rolle spielt: Knapp 20% der Neubauten, die im Jahr 2000 fertiggestellt wurden, hatten eine Ölheizung; 2011 traf dies nur noch auf 2% aller neuen Wohngebäude zu. Aus dieser Sicht spielt es daher keine Rolle, ob die Grünen im Falle eines Wahlsieges ihre Versprechen wahrmachen können, denn auch ohne Gesetz, sieht die Zukunft der Ölheizung düster aus.

Weiterführende Informationen

  • In Wort und Schrift (Auszug):

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Robert Doelling

Autor: Robert Doelling

Robert ist Energieblogger und seit vielen Jahren im Marketing Erneuerbarer Energien tätig. Er schreibt für verschiedene Online-Magazine und Blogs und beschäftigt sich dabei mit allen Themen rund um Energieeffizienz, Erneuerbare Energien, Neubau und Altbausanierung und regenerative Heizungstechnik.

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