Bau3D

Bauzeichnung – Haus – Bau – Planung und mehr

Handwerkerkosten

Welche Kosten fallen bei Handwerkern an?

| Keine Kommentare

Oft unterschätzen Bauherren die Handwerkerkosten, weil neben der eigentlichen Leistung noch zusätzliche Punkte auf der Rechnung auftreten. Doch warum sind diese Beträge so hoch und aus was setzen sie sich eigentlich zusammen?

Hier finden Sie eine kleine Übersicht der Posten, die auf eine Handwerkerrechnung gehören, damit Sie die Kosten für Ihr Bauvorhaben richtig einschätzen können. Außerdem ist angegeben, welche formellen Bestimmungen die Rechnung enthalten muss, damit Sie diese später erfolgreich beim Finanzamt absetzen können.

1.       Anfahrtskosten

Der Handwerker hat seinen Betrieb (in der Regel) natürlich nicht im Nachbarhaus und somit einen Anfahrtsweg, der ihm Kosten verursacht. Diese darf er auf seinen Auftraggeber umschlagen. Hierzu zählen Abnutzung des Fahrzeugs, Benzinkosten etc. In der Regel wird hier nach zurückgelegten Kilometern berechnet.

2.       Geleistete Arbeiten

Unter diesem Punkt finden Sie die Entlohnung für die eigentliche Arbeit des Handwerkers wieder. Diese ergibt sich aus dem Stundenlohn mal der für die Arbeit benötigte Zeit. Den Stundenlohn kann der Handwerker selbst festlegen, doch sollten Sie im Vorfeld darauf achten, dass dieser nicht weit über dem üblichen Vergleichslohn liegt.

Bei der Arbeitszeit gilt, dass Handwerker nicht auf ganze oder auch nur halbe Stunden aufrunden dürfen. Mittlerweile ist es  häufig anzutreffen, dass Handwerker in einer sechs-Minuten-Taktung abrechnen. Das heißt, Sie zahlen ihm pro angefangener sechs Minuten einen bestimmten Betrag.

- Anzeige -

Wenn bei Ihnen, wie oft üblich, zwei Handwerker auftauchen, Sie aber relativ schnell feststellen, dass die Arbeit auch von einem Handwerker alleine hätte ausgeführt werden können, dann rufen Sie umgehend im Betrieb an und bitten darum, dass Sie nicht die doppelte Arbeitszeit in Rechnung gestellt bekommen. Schließlich brauchen Sie nur für das zu bezahlen, was auch wirklich notwendig und erforderlich ist. Natürlich gibt es hier sinnvolle Außnahmen wie beispielsweise neue Auszubildende, die die Tätigkeiten erst noch vom Kollegen erlernen.

Einzelne Arbeiten sollten hier separat gelistet sein, um es Ihnen als Kunde und Auftraggeber nachvollziehbar zu machen, welche Leistungen Sie genau bezahlen. Weiterhin ist das ein wichtiges Kriterium, wenn Sie die Rechnung später steuerlich absetzen möchten.

3.       Ersatzteile

Selbstverständlich müssen Sie als Kunde auch das verwendete Material bezahlen. Bei diesem Punkt ist wichtig zu beachten, dass der Handwerker aber kein Teil ohne Ihre Zustimmung verbauen (und dann natürlich auch abrechnen) darf. Seriöse Handwerker werden Sie darüber informieren und Ihnen bei den Ersatzteilen auch erläutern, wozu sie diese benötigen.

Sollte dem Handwerker ein Werkzeug kaputt gehen, gehört das keinesfalls auf Ihre Rechnung. Dass Werkzeuge verschleißen können, ist ein Risiko des Betriebs und hat nichts mit Ihrem Auftrag zu tun.

4.       Umsatzsteuer

Die Umsatzsteuer von 19% gehört auf jede Handwerkerrechnung und treibt den Preis zusätzlich in die Höhe.

Achtung: Für Positionen, die durch verlängerte Bauzeiten anfallen, darf der Handwerker keine Umsatzsteuer erheben. Dies bezieht sich auf zum Beispiel die Miete von Geräten oder Containern, deren Gebühren der Handwerker Ihnen in Rechnung stellen darf, sollten Sie für die Verzögerung verantwortlich sein.  Bei diesen Kostenpunkten handelt es sich, wie vom Bundesgerichtshof festgestellt wurde, um Schadensersatz und nicht um einen steuerbaren Umsatz im Sinne des Steuerrechts.

5.       Notfall-Zuschlag

Wenn Sie einen Handwerker in der Nacht oder am Wochenende rufen müssen, kann daraus ein Zuschlag zwischen 50 und 70% entstehen. Das ist so, rechtlich gesehen, absolut legitim. Allerdings darf dieser Aufschlag sich nicht auf die gesamte Rechnungssumme beziehen, sondern lediglich auf die Anfahrts- und Arbeitskosten. Materialkosten dürfen hiervon nicht berührt werden.

Formalia

Neben den Posten, aus denen sich die zu zahlende Rechnungssumme zusammensetzt, ist es wichtig, dass die Handwerkerrechnung folgende Angaben aufweist, damit Sie die Rechnung später steuerlich absetzen können:

  • Vollständigen Namen und Anschrift von Auftraggeber und Unternehmen
  • Steuernummer bzw. Umsatzsteueridentifikationsnummer des Handwerkers
  • Rechnungsdatum
  • Rechnungsnummer
  • Zeitpunkt der erbrachten und beschriebenen Leistung
  • Materialkosten und Lohnkosten müssen separat gelistet sein, da nur die Lohnkosten erstattet werden
  • Die Umsatzsteuer muss explizit ausgewiesen sein
  • Hinweis auf die Aufbewahrungspflicht der Rechnung

Achten Sie auf die korrekte Ausstellung der Rechnung und in jedem Fall sollten Sie Posten, die sich Ihnen nicht erschließen, vom Betrieb erläutern lassen, denn schließlich ist es Ihr Recht als Auftraggeber zu erfahren, was Sie da genau bezahlen sollen. Und zwar bevor Sie die Rechnung des Handwerkers unterschreiben. Steht erst mal unter Ihre Unterschrift darunter, bedeutet das, dass Sie die Rechnung so wie sie ist und mit allen Punkten akzeptieren und es wird Ihnen äußerst schwer fallen, dann noch gegen zu hohe oder unnötige Beträge vorzugehen. Auch Stundenzettel sollten Sie nur unterschreiben, wenn Sie die darauf angegebenen Zeiten tatsächlich nachvollziehen können.

Bei der Zahlung sollten Sie letztendlich nur die Beträge begleichen, die Ihnen nicht falsch oder überhöht erscheinen. Teilen Sie dem Handwerker schriftlich mit, weshalb Sie die Rechnungssumme nur zum Teil bezahlt haben, um die strittigen Posten mit ihm klären zu können.

In jedem Fall, sollten Sie, um sich abzusichern und auch um abschätzen zu können, was Sie erwartet, vorher einen Kostenvoranschlag verlangen. So können wichtige Punkte im Vorfeld geklärt werden und Sie sparen sich am Ende die Überraschung einer hohen Rechnungssumme.

Weiterführende Informationen

– Anzeige –

Artikel weiterempfehlen

Roland Gmeiner

Autor: Roland Gmeiner

Als Geschäftsführer des auf Handwerkern spezialisierten Software-Unternehmens "Streit Datentechnik" ist Roland Gmeiner tagtäglich in der Berührung mit Kalkulationen und Planungen rund um den Bau. Dieses Wissen gibt er nun auf Bau3D an interessierte Bauherren und Bauherrinnen weiter.

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.